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ZDFzoom: Sonne, Wind und Wut

Wird die Energiewende ausgebremst?

von Sonja Jürschik
Die Energiewende geht alle an. Und Deutschland wollte Vorreiter sein. Auf dem Klimagipfel in Paris gab es nach langem Ringen das klare Signal für die Abkehr von fossilen Energieträgern – doch dann wurde der milliardenschwere Kohlekompromiss ausgehandelt.

Ist die Energiewende gestoppt?

Statt die Energie-Wende zügig voranzutreiben hat sich Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) von der Braunkohle-Lobby für einen Deal einnehmen lassen. Eigentlich sollten die Kohlekonzerne auf eigene Kosten CO2 reduzieren. Doch nun wird die Braunkohle-Industrie vom Verbraucher dafür abgefunden, dass Braunkohlekraftwerke in Rente (sogenannte Sicherheitsbereitschaft) geschickt werden, um sie bei Bedarf wieder arbeiten zu lassen.

Waldschützer kämpfen gegen Werkschützer

Dirk Jansen vom Naturschutzverband BUND verfolgt seit 30 Jahren die Energiepolitik in Nordrhein-Westfalen. Seiner Einschätzung nach hat die Braunkohle-Lobby das Bundesland trotz grüner Regierungsbeteiligung nach wie vor im Griff. Nicht nur NRW drohe deshalb bei der Energiewende abgehängt zu werden. Ähnlich wie er sieht das die Initiative „Buirer für Buir“. Regelmäßig nehmen die Anwohner rund um den Tagebau Hambach an Begehungen des Hambacher Waldes teil. Aktuell haben sie den Energiekonzern RWE um ein Moratorium gebeten, denn die Auseinandersetzungen um die Rodungsarbeiten für den Tagebau Hambach haben eine ernsthafte Eskalationsstufe erreicht. Aufseiten der Braunkohle-Gegner gibt es immer wieder Verletzte bei den Auseinandersetzungen mit der Polizei.

Der Werkschutz andererseits sieht sich von den Waldschützern provoziert und bedroht.
500 Kilometer weiter südlich mobilisiert die Bürgerinitiative „Stromautobahn“ in Franken. Seit Jahren engagieren sich die Initiatoren für die Energiewende von unten. Ihre Strom-Genossenschaft investiert in Windräder. Doch sie befürchten, dass die Energiewende missbraucht wird für die Interessen der Energiekonzerne. Die Bürgergenossen haben Angst, dass die von der Bundesnetzagentur genehmigten Stromtrassen statt für Wind ausgerechnet für Braunkohlestrom genutzt werden. So haben das Wissenschaftler berechnet und widersprechen damit Berechnungen der Bundesnetzagentur.

Sind die Energie-Genossenschaften die Verlierer?

Als Verlierer sehen sich die Bürger, die mit regenerativen Energien die Energiewende seit Jahren regional vorantreiben. Dazu gehört die hessische Genossenschaft, die als eine der ersten und erfolgreichsten in Deutschland gilt. Den Ausbaustopp der Solarflächen konnte sie noch verwinden – doch nun fühlt sie sich völlig verraten von der Politik. Denn die EEG-Novelle 2016 bringt sie in die Bredouille. Demnächst sollen Windkraftprojekte per Ausschreibung vergeben werden. Damit wird die Energiewende von unten womöglich völlig abgewürgt. Und die großen Konzerne, die die Energiewende eigentlich verschlafen hatten, gehören nicht nur zu Gewinnern – sie werden vom Stromverbraucher durch den Kohlekompromiss gerettet.

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